ÖkostromKraftquelle NaturBei Erfolg lässt man am besten die Zahlen sprechen: Im Jahr 1999 deckten die erneuerbaren Energien in Deutschland gerade mal 5,2 Prozent des Stromverbrauchs. Ein Jahrzehnt später lag dieser Stromanteil bereits dreimal so hoch, bei 16 Prozent. Oder in absoluten Mengen ausgedrückt: Binnen zehn Jahren stieg die Erzeugung von 29 auf 93 Milliarden Kilowattstunden. Und sie wird weiterhin deutlich steigen. Auf See hat der Ausbau der Windkraft begonnen: Im April 2010 wurde der erste Windpark in deutschen Gewässern eingeweiht. Er trägt den Namen „Alpha Ventus” und befindet sich mit seinen zwölf Anlagen à fünf Megawatt 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum. Rund 200 Millionen Kilowattstunden soll der Windpark im Jahr erzeugen, das entspricht dem Verbrauch von 50.000 Haushalten. Der Ausbau der Ökokraftwerke verlief rasant in den letzten Jahren. So haben zum Beispiel die Photovoltaikanlagen der Republik Anfang 2010 die Nennleistung von 10.000 Megawatt überschritten – das entspricht einem Faktor 100 in nur zehn Jahren. Unterdessen erreicht die Windkraft mit einer installierten Kapazität von 26.000 Megawatt bereits eine Leistung, die bei gutem Wind ausreicht, die Atomkraft hierzulande zu überflügeln.
Ökostrom boomtDoch nicht nur auf Seiten der Stromerzeuger, die ihre Energie nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet bekommen, ist das Interesse am Ökostrom heute größer denn je. Auch bei den Kunden wird der Ökostrom immer beliebter, wie die jährliche Umfrage der Fachzeitung Energie & Management (E&M) dokumentiert. Die Markterhebung, die seit 2005 jährlich stattfindet, gilt als die umfassendste und detaillierteste ihrer Art. Danach haben im Jahr 2009 rund 2,2 Millionen Haushalte und gut 100.000 Gewerbebetriebe in Deutschland ein rein grünes Stromprodukt bezogen. Im Vergleich zum Vorjahr gab es bezogen auf die Privathaushalte noch einen leichten Anstieg.
Insgesamt wurden 2009 rund elf Milliarden Kilowattstunden Ökostrom als separates Produkt vermarktet. 180 Energieversorger und Ökostromanbieter hatten sich an der Umfrage beteiligt. Marktführer mit rund einer halben Million Stromkunden zum Jahresende 2009 war Lichtblick, gefolgt von den Unternehmen Entega und NaturEnergie. Wie funktioniert das mit dem Strommix?Alle Kunden am selben Netz. Stellen Sie sich das gesamte Stromnetz wie einen See vor, dessen Wasserspiegel immer konstant gehalten werden muss. Der Kunde entnimmt diesem See jenen Strom, den er benötigt. Daraus folgt, dass genau diese Menge Strom an einer beliebigen Stelle des Sees wieder zugeführt werden muss, denn nur dann bleibt der Wasserspiegel konstant und das ganze Stromnetz stabil. An dieser Stelle kommt nun die Stromqualität des Anbieters ins Spiel. Ein Kunde, der von einem Unternehmen konventionellen Strom bezieht, sorgt dafür, dass der „Stromsee” mit Atom- und Kohlestrom wieder aufgefüllt wird. Wer hingegen von einem Ökostromhändler erneuerbare Energien bestellt, bewirkt damit, dass saubere Energie eingespeist wird. Wichtig ist dabei jedoch immer, dass die Ökostromanbieter mit dem Geld ihrer Kunden auch neue Ökokraftwerke bauen. Denn bezieht man als Kunde Strom eines Wasserkraftwerks, das seit Jahrzehnten am Netz ist, ändert sich dadurch gar nichts am Strommix. Versorgerwechsel ist kinderleicht und ohne RisikoLängst ist es leichter, den Stromanbieter zu wechseln als das Bankkonto. Und das ist sogar noch untertrieben: Es liegen Welten dazwischen. Der Stromwechsel ist heute eine Sache von kaum zwei Minuten. Der Kunde muss nur seinem neuen Lieferanten eine Kopie seiner Stromrechnung sowie ein ausgefülltes Formular mit seiner Bankverbindung zukommen lassen – alles Weitere regelt dann der neue Anbieter. Er kündigt auch den Vertrag des Kunden mit dem bisherigen Versorger. Sofern mit dem Altversorger keine besonderen Vertragslaufzeiten vereinbart wurden, lässt sich der Anbieterwechsel in sechs Wochen über die Bühne bringen. Technisch bringt der Umstieg keinerlei Veränderungen mit sich. Der Kunde hängt nach wie vor am gleichen Netz, und genießt damit die gleiche Versorgungssicherheit wie alle anderen Kunden in der Nachbarschaft. Auch im Fall von Störungen hat der Ökostrombezieher keinen Nachteil, wenn ein Wechsel stattfand. Denn für den Unterhalt des Netzes ist alleine der örtliche Netzbetreiber zuständig, unabhängig davon, wessen Strom durch seine Leitungen fließt. Diesen Service bekommt der Netzbetreiber von den Stromlieferanten vergütet, die für jede Kilowattstunde ein Durchleitungsentgelt bezahlen müssen. Wie geht es weiter?Da die erneuerbaren Energien bei den Menschen sehr beliebt sind, gibt es keine Zweifel daran, dass sie sich rasant weiter entwickeln werden. Die Photovoltaik dürfte sich binnen maximal drei Jahren in Deutschland nochmals verdoppeln, auch die Windkraft und die Bioenergie werden weiter zunehmen. Nach den Erfahrungen der Vergangenheit könnte es in der Realität allerdings noch schneller gehen mit dem Umstieg – denn in den letzten 20 Jahren haben sich die Szenarien zur Entwicklung des Ökostroms fast durchweg als zu vorsichtig erwiesen. neuform konsequentBei der neuform in Zarrentin setzt man seit Jahren auf Wasserkraftstrom der NaturEnergie AG. Auch etliche Reformhäuser haben auf Ökostrom umgestellt. Zum Beispiel Günter Kaubisch, Inhaber der Reformhäuser Kaubisch in Oberhausen: „Wir wollen nicht nur über umweltfreundliche Lebensweise reden, sondern sie auch vorleben.” Und da gehöre die Energiefrage einfach dazu. Dieser Meinung sind auch seine Vita-Nova-Kollegen, die in 50 Geschäften Ökostrom einsetzen. 5 Energiespar-Tipps für Ihr Zuhause:
1. Richtig lüften Während der Heizperiode tut hin und wieder eine Brise Frischluft gut. Statt die Fenster ständig auf „Kipp” zu stellen, ist es sinnvoll, drei- bis viermal täglich für zwei bis fünf Minuten kräftig durchzulüften; Türen und Fenster dabei ganz öffnen. Je kälter die Außentemperaturen sind, desto kürzer kann das Stoßlüften ausfallen. Unmittelbar nach dem Kochen oder Duschen lüften, dabei die Türen zu kühleren Räumen geschlossen halten, da die feuchte Luft sonst an den kalten Wänden kondensiert. 2. Wasser stopp So gut ein wohlig-warmes Vollbad tut – zur Körperreinigung ist Duschen die sparsamere Variante. Wer während des Einseifens den Wasserhahn zudreht, spart zusätzlich Wasser und Energie. Ähnliches gilt fürs Zähneputzen: In drei Minuten laufen bis zu 20 Liter Wasser aus dem Hahn. Wichtiger als das Wassersparen ist aber die Energieeinsparung. 3. Kochen mit Köpfchen Die Kartoffeln sind bald gar? Elektroherd ausschalten, die Restwärme reicht völlig aus. Ebenfalls sehr effektiv: Deckel auf den Topf! So wird Nudelwasser etc. schneller heiß, und der Energieverbrauch reduziert sich um das Drei- bis Vierfache. Generell lautet die Empfehlung von Kücheneinrichtern: Herd und Kühlschrank nicht nebeneinander platzieren. Durch die Wärmeabgabe des Herdes brauchen Kühlschränke mehr Energie. 4. Backen: Tür zu! Herd nicht vorheizen, das spart bis zu 17 Prozent Energie; Ausnahme: empfindliche Backwaren wie Biskuit. Backofentür nicht ständig öffnen – jedes Mal gehen 20 Prozent der Wärme verloren! 5. Waschen bei niedrigen Temperaturen Waschtrommel stets gut füllen, bevor sie rotiert. Häufiger eine niedrige Temperatur und eine längere Laufzeit des Waschprogramms wählen, z. B. durch das Drücken der Intensiv- oder Fleckentaste. Oft reicht schon eine Wassertemperatur von 40 °C oder niedriger aus. Bernward Janzing/Esch Lesetipps: „99 Wege zum Stromsparen” und „Stromsparen im Haushalt” sowie weitere Broschüren zum Thema Energiesparen können im Internet heruntergeladen werden: www.verbraucherzentrale.de/stromwechsel/downloads.php „Störfall mit Charme. Die Schönauer Stromrebellen im Kampf gegen die Atomkraft”, Bernward Janzing, 128 S., Dold Verlag |