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Gesund leben

Auf gutes Wasser kommt es an

Schon den Philosophen der Antike war klar, dass es sich beim Wasser um etwas Unentbehrliches handelt. So sah Thales von Milet in ihm den Urstoff allen Seins, „denn Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück”, und Aristoteles reihte es neben Feuer, Luft und Erde als eines der vier Grundelemente ein.

Mittlerweile weiß man freilich, dass Wasser kein Element ist, sondern eine Verbindung von einem Teil Sauerstoff und zwei Teilen Wasserstoff (H2O). Unverändert blieb seine essenzielle Bedeutung für unser Leben, denn unser Körper besteht vor allem aus einem: Wasser.

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Ein paar Zahlen:

So liegt der Wasseranteil im Körper einer jungen Frau bei 55 Prozent, der eines Mannes um die 60 Prozent, und Säuglinge kommen sogar auf 70 Prozent.

Ein erwachsener, 60 Kilogramm schwerer Mensch braucht etwa zwei Liter Wasser pro Tag, das er zum Teil auch aus festen Nahrungsmitteln aufnehmen kann. Im Laufe unseres Lebens trinken wir etwa 40.000 Liter Wasser, und wenn wir es nicht tun, wird es gefährlich: Schon der Verlust von einem Zehntel des Körperwassers kann zum tödlichen Kollaps führen.

Wasser hat Charakter

Trotz seiner molekularen Übersichtlichkeit ist Wasser keinesfalls einheitlich und immer gleich. Tropft man nämlich Bodenseewasser auf ein Glas, präsentieren sich dessen Tropfen unter dem Mikroskop mit blau-rundem Gesicht, während ihre Pendants aus dem Elsassbrunnen feine Verästelungen zeigen. In Wasser aus peruanischem Hochgebirge sind sogar braungelbe konzentrische Kreise zu sehen.

Auf diese eigentümlichen „Wassercharaktere” stieß ein Forscherteam unter Leitung des Stuttgarter Raum- und Luftfahrtstatikers Prof. Bernd Kröplin. Für ihn sind die unterschiedlichen Muster der Tropfenbilder kein Zufall, sondern Ausdruck für die Fähigkeit des Wassers, Informationen zu speichern.

Wasser mit Speicherfunktion?


Die These vom „Gedächtnis des Wassers” wird seit 1988 auch in der Medizin diskutiert. In jenem Jahr veröffentlichte der französische Immunologe Jacques Benveniste seine Entdeckung, wonach mit Wasser verdünnte Flüssigkeiten selbst dann noch auf Blutkörperchen wirken, wenn kein einziges Wirkstoff-Molekül mehr in ihnen nachweisbar ist.

„All dies geschieht”, so Benveniste, „als ob sich das Wasser daran erinnere, einmal das Molekül gesehen zu haben”. Gerade Homöopathen haben diese These begeistert aufgenommen. Denn sie liefert die Erklärung für das Wirkungspotenzial ihrer – bekanntermaßen oft hoch verdünnten – Arzneien. Die Forschungsergebnisse von Benveniste erwiesen sich jedoch im Nachhinein als anfechtbar, sodass sich das Gros der Wissenschaftler bisher nicht mit dem Wassergedächtnis anfreunden kann.

Qualität des Wassers

Mehr Einigkeit herrscht da schon hinsichtlich der Tatsache, dass Trinkwasser so beschaffen sein sollte, dass es niemanden krank macht. Doch nach welchen Kriterien dies geprüft wird, ist bereits wieder umstritten.

So fordert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Trinkwasserprüfung auf 200 potenziell gesundheitsschädliche Stoffe, laut deutscher Trinkwasserverordnung sind nur gut 50 Parameter Pflicht für die Qualitätsuntersuchung. Viele Wasserversorger untersuchen freiwillig auf mehr Parameter. Die Pflichtparameter haben immerhin eine sogenannte Marker-Funktion, das heißt, man kann von ihren Werten auf die Belastungen durch andere Fremdstoffe schließen.

So weist ein Überschreiten der Grenzwerte für Cadmium und Blei darauf hin, dass auch andere Schwermetalle im Übermaß enthalten sind. Und wenn sich im Wasser eine Bakterie namens Escherichia coli tummelt, dürften auch andere Fäkalkeime vorhanden sein.

Problematische Grenzwerte

Insgesamt wird in Deutschland kein anderes Lebensmittel so streng kontrolliert wie Trinkwasser. Doch das bringt natürlich nur wenig, wenn einige Risikofaktoren überhaupt nicht erfasst werden.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fand zum Beispiel unter 8200 Trinkwasserproben 150, in denen mehr als 10 Mikrogramm Uran pro Liter steckten. Dieser Grenzwert gilt laut Trinkwasserverordnung ab November 2011 verbindlich. Solche Werte gelten gerade für Säuglinge als problematisch, weswegen auch Experten fordern, das Trinkwasser standardmäßig auf Uran zu überprüfen und dabei den Grenzwert auf zwei Mikrogramm je Liter festzusetzen.

Hartes oder weiches Wasser?


Auch so ein Thema, das die Gemüter erhitzt. Hart ist ein Wasser, wenn es besonders viel Kalk, also besonders viele Calcium- und Magnesiumsalze enthält. In der öffentlichen Wasserversorgung herrscht das Credo, dass die Wasserhärte wohl für Wasch- und Kaffeemaschinen (sie neigen bei hartem Wasser zur Verkalkung), nicht aber für die Gesundheit des Menschen von Bedeutung wäre – und so beschränkt man sich darauf, die einzelnen Härtegrade anzugeben.

Seit 2007 werden hierzulande wie im übrigen Europa nur noch drei Härtegrade unterschieden: weich (weniger als 1,5 Millimol Calciumcarbonat/Liter), mittel (1,5 bis 2,5) und hart (über 2,5). Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass die Trinkwasserhärte auch medizinisch wirksam sein kann.

In Gegenden mit extrem weichem Wasser wurden überdurchschnittlich viele Herzinfarkte beobachtet. Mögliche Erklärung: Weiches Wasser enthält wenig Magnesium, und dieses Mineral wird für die Tätigkeit der Blutgefäße und des Herzmuskels benötigt. Gegen diese Theorie spricht die ebenfalls verbreitete Auffassung, dass Trinkwasser für die Mineralversorgung keine Rolle spielt, weil seine Mineralien nur schlecht verwertet werden.

Wasserarten:


  • Trinkwasser – besteht zu zwei Dritteln aus Grund- und zu einem Drittel aus Oberflächenwasser (Seen, Talsperren, Flüsse). Muss bakteriologisch und hygienisch einwandfrei sein. Dazu wird „Rohwasser” meist chemisch und mechanisch aufbereitet. Qualität regional sehr verschieden.
  • Mineralwasser – aus unterirdischen Wasservorkommen. Muss direkt am Quellort abgefüllt werden. Eisen und Schwefel dürfen entfernt und Kohlensäure entzogen oder Kohlendioxid zugesetzt werden. Bezeichnung „Natürliches Mineralwasser” nur erlaubt, wenn es amtlich anerkannt ist.
  • Heilwasser – kommt wie Mineralwasser aus unterirdischen Wasserquellen. Besitzt nachgewiesene vorbeugende, lindernde und heilende Wirkung. Muss arzneimittelrechtlich zugelassen werden. Zur besseren Orientierung in der Regel in grünen Flaschen erhältlich
  • Quellwasser – ebenfalls Tiefenwasser, muss aber nicht ursprünglich rein sein. Benötigt keine amtliche Anerkennung. Hat in seiner Zusammensetzung allen Kriterien zu genügen, die für Trinkwasser vorgeschrieben sind
  • Tafelwasser – kein Naturprodukt, sondern eine Mischung verschiedener Wasserarten und anderer Zutaten. Darf an jedem beliebigen Ort hergestellt und abgefüllt werden.

Ansonsten steht eher hartes Wasser in der Kritik: Es fördert laut englischen Studien die Ausbildung von Ekzemen. Erklärungsansätze hier: Waschen mit hartem Wasser ist hautreizend, und wer es trinkt, fördert das Austrocknen seiner Haut, weil Wasser aus ihr abgezogen wird, um die Salzgehalte der getrunkenen Flüssigkeit auszugleichen.

Jedenfalls gelang es den englischen Forschern, die Neurodermitis-Rate bei Kindern zu senken, indem sie deren Haushalte mit weichem Wasser versorgten.

Nicht zu vergessen schließlich, dass der Calciumgehalt im Wasser offenbar Einfluss auf den Geschmack hat. Wissenschaftler des Monell Chemical Senses Center in Philadelphia entdeckten nämlich auf Rattenzungen einen Rezeptor, der auf Calcium reagiert.

„Und im Erbgut des Menschen sind die Gene für diesen Rezeptor ebenfalls vorhanden”, erklärt Studienleiter Michael Tordoff. Möglich also, dass wir tatsächlich Calcium schmecken. Ist es demnach keine Einbildung, wenn sich Menschen beschweren, dass ihnen Tee oder Kaffee nicht schmecken würde, weil das dazu verwendete Wasser „zu hart” ist?

Ein Kaltgetränk scheint hingegen laut Umfragen vielen Konsumenten besser zu schmecken, wenn es mit hartem Wasser zubereitet wurde.

altVerschwendung und Vertrocknung


Das auf der Erde vorkommende Wasser hat ein Volumen von fast 1,4 Milliarden Kubikkilometern. Davon sind jedoch gerade einmal 2,65 Prozent als Trinkwasser für uns nutzbar, der Rest verteilt sich auf die salzigen Ozeane. Hinzu kommt die grassierende Umweltverschmutzung – schon heute haben drei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser mehr!

Zypern beispielsweise lässt sich das kostbare Nass in Plastiksäcken per Schiff vom Festland bringen. Experten befürchten, dass sich in den nächsten Jahren ums Wasser ähnliche Konflikte entspinnen werden wie ums Erdöl. Da wirkt es umso zynischer, dass in Wohlstandsgesellschaften der Großteil des Trinkwassers überhaupt nicht verzehrt wird.

Laut einer Erhebung des Umweltbundesamtes verbraucht jeder Haushalt hierzulande knapp 120 Liter Wasser pro Tag, doch von denen werden gerade mal vier Prozent zum Essen und Trinken genutzt. 36 Prozent dienen hingegen der Körperpflege, also dem Waschen, Duschen und Baden – und 27 Prozent werden einfach durchs Klo gespült.

Flow – Wasser ist Leben


Die preisgekrönte Regisseurin Irena Salina reiste fünf Jahre lang um den Globus und dokumentierte die Entwicklungen und Auswirkungen der Wasserarmut. Das Ergebnis ist die unbequeme Wahrheit über eines der wichtigsten gesellschafts- und umweltpolitischen Themen unserer Zeit: die internationale Wasserkrise. 
(„Flow – Wasser ist Leben, DVD, Sunfilm Entertainment, 92 Minuten)

Dr. Jörg Zittlau

Lesen Sie auch „Welchen Einfluss hat die Wasserhärte? / Interview”

 

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