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Schlafforschung / Interview

Vor und zurück - Zeitumstellung

Die Stunde fehlt. Am Morgen ist man nicht ausgeschlafen, am Abend hellwach. Was passiert mit dem Zeitgefühl, wenn die Uhr vorgestellt wird? Sigrid Aldehoff hat beim Schlafforscher Prof. Dr. Jürgen Zulley nachgefragt.

Warum ist die Umstellung auf die Sommerzeit eine Belastung für den Körper?

altDie Zeitumstellung hat Auswirkungen auf unsere biologische Uhr, die fast alle unsere Funktionen steuert, also beispielsweise die

Hormonausschüttung, unsere Leistungsfähigkeit und eben auch den Schlaf-Wach-Rhythmus. Unser Tag-Nacht-Rhythmus dauert aber nicht genau 24 Stunden, sondern wird über das Tageslicht gesteuert. Die Zeitumstellung ist ähnlich dem Jet-Lag, wo sich der Körper auch nach ein paar Tagen an das Überspringen von zwei Zeitzonen gewöhnt hat. Allerdings hilft uns beim richtigen Jet-Lag der Sonnenstand, wieder in den richtigen Zeitrhythmus zu kommen.

Was trifft uns härter: die Umstellung auf die Sommer- oder auf die Winterzeit?


Die innere Uhr tendiert eher zur Verlängerung des 24-Stunden-Rhythmus. Eine Verkürzung wie zur Sommerzeit auf 23 Stunden mag sie nicht – wenn wir eine Stunde früher aufstehen, also beispielsweise um fünf Uhr statt um sechs, haben wir für ein paar Tage eine zeitliche Diskrepanz. Es gibt auch Studien, bei denen sich andeutet, dass es an dem Montagmorgen nach der Umstellung auf Sommerzeit mehr Unfälle gibt als sonst zum Wochenbeginn. Aber nicht nur das frühere Aufstehen fällt uns schwer: Wenn man früher ins Bett gehen muss, kann man auch nicht einfach so einschlafen.

Wie lange dauert es, bis sich der Körper an die neue Zeit gewöhnt hat?


Die meisten Menschen brauchen zwei bis drei Tage, manche zwei Wochen. Einige ganz wenige passen sich aber nie an, bis wir wieder die normale Winterzeit haben. Probleme haben übrigens nicht nur wir Menschen, sondern auch einige Tiere: So werden Milchkühe beispielsweise bei der Umstellung auf Winterzeit im Oktober eine Stunde später gemolken. Aber für uns Menschen ist das Leiden eigentlich eher im Sommer mit der Zeitverkürzung angesagt. Diese Umstellung ist völlig unsinnig und man könnte sich immer noch darüber ärgern.

Wer leidet am meisten und wer am wenigsten unter der Umstellung?

altMorgentypen haben natürlich die geringsten Probleme, Frauen haben öfter Schwierigkeiten, weil sie ohnehin sensibler sind. Alte Menschen können die Umstellung am besten auffangen, weil sie morgens ausschlafen können. Der Leidensdruck vieler Menschen kommt auch daher, dass sie abends daran denken, dass sie morgens eine Stunde früher aufstehen müssen. Die Sorgen, zu verschlafen oder unausgeschlafen zu sein, lässt sie dann schlechter einschlafen.

Sie schreiben in Ihren Büchern und haben auch schon an anderer Stelle gesagt, dass jemand, der zu wenig schläft, dick, dumm und krank wird. Könnte man die Bundesregierung auf Körperverletzung verklagen?

Nein, es ist ja nicht so, dass die Zeitumstellung zu einer Erkrankung führt. Man sollte die Auswirkungen der Sommerzeit auch nicht dramatisieren. Wie gut wir da durchkommen, hängt auch von der Motivation jedes Einzelnen ab. Der Schlafmangel ist ja nur vorübergehend und davon wird man weder krank noch dick. Übrigens gibt es jetzt eine neue schwedische Studie, die besagt, dass dauernder Schlafmangel darüber hinaus auch hässlich macht.

Es wird immer mal wieder erwogen, die Zeitumstellung abzuschaffen. Sie wären auf jeden Fall dafür?

Ja, aber das wird nicht geschehen, weil das ja europaweit so geregelt wird. Das sind rein bürokratische Aspekte, die noch dafür sprechen. Ich habe mich schon mit Europa-Abgeordneten darüber unterhalten und die sehen es genauso: Der Aufwand, das wieder rückgängig zu machen, wäre einfach zu groß.

 

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