Vegetarisch ist inDonnerstag ist VeggietagDer Vegetarierbund will mit Genuss zur Vernunft verführen. Aus Liebe zum Tier, Vorsorge für die eigene Gesundheit und zum Schutz der Umwelt: Es gibt gute Gründe, auf Fleisch und andere tierische Produkte bei der Ernährung zu verzichten. Vegetarier galten lange als Spaßbremse. Als Dogmatiker mit Sendungsbewusstsein, von denen man sich auf Feiern besser nicht in ein Gespräch verwickeln ließ, schon gar nicht am Büfett. Dieses Image entrümpelt der Vegetarierbund Deutschland (Vebu) gerade ganz gehörig. „Wir möchten eher verführend für den fleischlosen Genuss werben als mit erhobenem Zeigefinger“, sagt Vebu-Geschäftsführer Sebastian Zösch.
„Donnerstag ist Veggietag“ heißt die Aktion, mit der der Vebu auch eingefleischte Schnitzelfreunde zumindest einmal pro Woche zu lustvollen Gemüseessern machen möchte. Die Idee: Wer einmal wöchentlich auf Kotelett, Steak und Wurst verzichtet, am besten auch gleich auf tierische Produkte wie Milch, Butter, Eier und Käse, leistet einen Beitrag zum Schutz von Tieren und Umwelt – und tut sich und seiner Gesundheit etwas Gutes. Außerdem, so lautet ein weiteres Argument, werden bei der Herstellung von Fleisch Ressourcen verschwendet. „Ein Großteil der weltweiten Getreide- und Sojaproduktion wird als Tierfutter verwendet, während gleichzeitig etwa eine Milliarde Menschen auf der Welt Hunger leidet“, heißt es auf der Internetseite des Veggietages (www.donnerstag-veggietag.de). So enstand die Idee eines deutschlandweiten fleischfreien Wochentages: Vertreter des Vebu, der Albert Schweizer Stiftung und von Peta Deutschland setzten sich zusammen und schrieben bis Februar 2010 die Bürgermeister 100 deutscher Städte an, informierten sie über die Vorteile eines fleischlosen Tages in der Woche. Der vegetarische Tag wird nicht nur bei den Stadtverwaltungen propagiert: „12 Millionen Deutsche essen täglich in Gemeinschaftsverpflegungen wie Mensen, Kantinen, Schulen oder Krankenhäusern“, sagt Zösch. Hier soll zumindest einmal wöchentlich ein vegetarisches, am besten gleich ein veganes Essen angeboten werden. Denn der Schritt von vegetarischer auf vegane Ernährung sei meist gar nicht mehr so weit, sagt Zösch: „Für viele Menschen ist die Klimabilanz der Nahrung entscheidend und die ist beim Konsum von tierischen Produkten nicht viel besser als wenn man Fleisch isst.“ „Klimaessen“ für Berliner Studenten Diesen Zusammenhang möchte auch das Studentenwerk Berlin den 30.000 Studierenden verdeutlichen, die hier täglich essen. „In unseren neun größeren Mensen bieten wir täglich immer auch ein vegetarisches oder veganes Essen an“, sagt Hans Joachim Gabriel, als Bereichsleiter verantwortlich für die Mensen. Die veganen Mahlzeiten liefen dort unter dem Namen „Klimaessen“. Inzwischen gibt es sogar eine Mensa, die täglich ausschließlich vegetarische, oft auch vegane Mahlzeiten auf dem Speiseplan hat. „Die Renner sind alle Arten von Pasta-Gerichten, aber auch Sojabratwurst geht immer gut.“
Schulung durch StarkochAuch hessische Universitäten wollen sich am Veggie-Day beteiligen. Seit Anfang Juni gibt es auf Beschluss von Mensaleitung und Geschäftsführung in den Mensen des Studentenwerkes Fulda, Gießen und Friedberg an zwei Tagen in der Woche zusätzlich ein veganes Essen. Vegetarische Angebote seien schon seit langem im Angebot, erzählt Susanne Gerisch, Leiterin der Public Relations des Studentenwerkes Gießen. Vor der Einführung kam der Berliner Starkoch Björn Moschinski nach Gießen, um die Küchenteams der Mensen des Studentenwerkes mit dem veganen Kochen vertraut zu machen. Davon sollen nicht nur Tiere und Umwelt profitieren, sondern auch die zunehmende Zahl von Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten, etwa einer Laktoseintoleranz. Auch diese können jetzt ohne Bedenken zugreifen, wenn Sojagulasch, Chili sin! Carne oder Getreide / Gemüsepfanne auf dem Speiseplan stehen. Aktion „Halbzeitvegetarier“Eine tolle Idee hat auch Katharina Rimpler entwickelt: Unter dem Motto „Zwei halbe Vegetarier sind auch ein ganzer“ propagiert die Kulturwissenschaftsstudentin unter Schirmherrschaft des Vebu und mit finanzieller Unterstützung der EU die Initiative „Halbzeitvegetarier“. Danach sollen sich zwei Partner zusammentun, jeder den Fleischkonsum halbieren und damit den positiven Effekt eines Vollzeitvegetariers erreichen. Mit der Aktion „Halbzeitvegetarier“ hoffen die Initiatoren, vor allem junge Menschen anzuregen, sich mit den Themen wie Nachhaltigkeit und gesunder Ernährung zu beschäftigen. Sigrid Aldehoff Stöbern Sie gleich in unseren „Vegetarischen Rezepten"! Lesetipps:„Donnerstag ist Veggietag”, 176 Seiten, Südwest Verlag „Kochbuch für eingefleischte Vegetarier“, 160 Seiten, Metroverlag Wien
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