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Mit allen Sinnen / Interview

Ein Kräuter-Paradies auf Erden

Ob Heil-, Gewürz- oder Duftpflanzen, in diesem Garten findet man alles. Denn Daniel Rühlemann besitzt in Norddeutschland eine Gärtnerei der besonderen Art. Mehr als 1200 Arten und Sorten umfasst das Sortiment. Was fasziniert den gebürtigen Bremer, der von Hause aus Musiker ist, an dem seltenen Saatgut?

Warum legen Sie Ihren Schwerpunkt gerade auf ausgefallene Kräuter?

altMich fasziniert an den Kräutern, dass man sie schnell genießen kann. Egal, ob kulinarische Kräuter oder Teekräuter. Man kann sich auf sehr kleinem Raum im Garten, Balkonkasten oder auf dem Fensterbrett einen Hochgenuss anbauen. Ein Gemüsegarten verlangt einen größeren Einsatz. Basilikum zum Beispiel lässt sich schon sehr früh ernten. Diese Erfahrung ist eine unheimlich schöne Sache. Zwar gehört das für mich mittlerweile zum Alltag, aber ich erinnere mich noch gut an die Anfänge. Denn eigentlich war ich ein typisches Stadtkind. Irgendwann hatte ich dann einen kleinen Garten und empfand das Ernten als etwas ganz Tolles.

Lassen sich Wildkräuter schwieriger pflegen?

Wildkräuter, darunter verstehe ich heimische Kräuter, die draußen problemlos gedeihen, unabhängig vom Wetter. Meistens sind sie winterhart. Doch deshalb wachsen sie nicht unbedingt schneller oder bringen mehr Ertrag. Der Bärwurz etwa lässt sich beim Wachsen viel Zeit. Packt man ihn aber einmal in den Garten, ist er relativ pflegeleicht – ein enormer Vorteil. Basilikum ist dagegen ein Kraut, das wirklich schnell wächst. Aber hier muss eben das Wetter entsprechend mitspielen. Über 20 °C ist okay, 30 °C bis 40 °C sind optimal. Diese Temperaturen kommen bei uns nur selten bis gar nicht vor. Deshalb Basilikum immer geschützt stellen. Optimal ist natürlich ein kleines Gewächshaus.

Welche Sorten können Sie unseren Lesern empfehlen?

Es gibt immer Pflanzen, die besonders beliebt und trendy sind. Vor fünf Jahren haben wir Jiaogulan, ein Heilkraut aus Südchina, in Deutschland bekannt gemacht. Seitdem entwickelt es sich zu einem Boomkraut. Es hat ginsengähnliche Wirkstoffe, lässt sich aber leichter anbauen. An dieser Stelle möchte ich noch mal auf Basilikum eingehen, das sich zu einer der wichtigsten Pflanzen der Gärtnerei entwickelt hat.

Wir haben mehr als vierzig verschiedene Basilikum-Sorten und jedes Jahr kommen neue hinzu. Darunter wohlschmeckende mehrjährige wie Cubanisches Strauchbasilikum, Basilikum „African Blue” oder „Wildes Purpur” (unsere eigene Züchtung). Ein mehrjähriges Basilikum ist robuster als das aus dem Supermarkt, das sogenannte Genoveser Basilikum, das eher für den einmaligen Gebrauch gedacht ist.

Dann gibt es ein zyprisches Basilikum, was ich sehr empfehlen kann! Es hat ein intensives Aroma, wächst strauchartig mit einem hölzernen Stamm und blüht fast nie. In den letzten Jahren hat außerdem Blattkoriander unglaublich an Zuspruch gewonnen. Es hat einen ganz eigenen Geschmack, überhaupt nicht wie die Korianderkörner. Weltweit gesehen ist es das am meisten gegessene Würzkraut überhaupt. Nur Deutschland war da bisher etwas zurückhaltend.

Was eignet sich besonders gut für die Fensterbank?

altEs gibt zum Beispiel einen ganz hervorragenden Knoblauch. Nicht der normale, sondern ein Zimmerknoblauch. Er hat ein intensives Aroma. Dann alle Arten von Basilikum. Außerdem kommen verschiedene Pfefferarten in Frage, z. B. Hoja Santa, auch Blattpfeffer genannt. Diese Pflanze ist in Mexiko heimisch und bekommt riesige Blätter. Damit wird zum Beispiel Gemüse oder Fisch eingewickelt. Das schaut dann aus wie eine Kohlroulade, auch das Blatt kann mitgegessen werden. Weiter gibt es einen Jamaika-Thymian. Der stammt ebenfalls aus den Tropen, hat fleischige dicke Blätter und das schöne Thymian-Aroma. Es ist eine sehr pflegeleichte Pflanze. Der gängige Thymian würde drinnen hingegen ganz schnell eingehen, weil das Klima nicht seinen Bedürfnissen entspricht. Auch Rosmarin eignet sich nicht oder nur sehr bedingt für die Fensterbank.

Haben Sie bestimmte Lieblingskräuter?

Es gibt immer wieder besondere Arten. Und das wechselt natürlich im Laufe der Jahre. Wir haben zum Beispiel einen speziellen Thymian, der ein ganz exquisites Aroma hat. Er nennt sich italienischer Oregano-Thymian. Nur wenn ich an ihn denke, bekomme ich schon Appetit. Er hat einen unbeschreiblichen Duft!

Weitere Infos unter: www.ruehlemanns.de

 

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